Automatisiertes Layout – oder wie aus einem privaten Anlass ein Multi-Channel-Projekt wird

Der Sommer 2017 startet mit einem Lüftchen der Veränderung. Es ist Zeit für eine Weiterbildung.

Neugierde ist meiner Meinung nach eine Zutat, die alle Berufskollegen haben, oder zumindest haben sollten.
Denn die Arbeiten im Bereich Mediendesign sind vielfältig und stets „Grenzübergreifend“. Zu wissen, was Typografie macht und ein bisschen Gestalten reicht nicht. Man muss über den Tellerrand schauen und sich für die vorherigen und die kommenden Arbeitsschritte interessieren. Das gesamte Kommunikationsprojekt im Auge haben.

Heisst nicht, dass man selber alles wissen, können und erledigen muss. Dafür hat man ein gutes Netzwerk.
Aber man muss verstehen, wo beim Kunden der Schuh drückt. Nicht einfach «einen Flyer umsetzen», sondern hinterfragen, ob es das richtige Produkt ist, um das Problem des Kunden zu lösen. Danach überlegt man wie man das Projekt aufzieht und umsetzt.

Die täglichen Herausforderungen als Mediendesignerin und Publisherin, meine Neugierde, und die ständige Veränderung in unserer Branche, haben mich dazu gebracht wieder einmal etwas für die Synapsen zu tun.

 

 

Ich helfe KMU mit Mediendesign, Firmenauftritt, Publikationen oder Verkaufsunterlagen zu optimieren, damit für die Endkunden ein Mehrwert entsteht. Dazu gehört auch ein cleverer Publishing Workflow.

Somit ist der Entscheid gefallen, es wir der Lehrgang Multi-Channel-Publishing beim VSD. Ganz bewusst habe ich mich für die Technik entschieden. Mein Arbeitsbereich ist oft auf der gestalterischen Seite, aber benötigt ebensoviel Wissen im Technikbereich, die oft nicht «gesehen» wird, aber ungemein viel Arbeit abnimmt.

Kommt dazu: Print ist nicht tot, sondern die Gewichtigkeit hat sich verschoben. Print richtet sich neu aus würde ich sogar sagen. Der Ausgabekanal «Print» ist nicht eigenständig, sondern vielmehr Bestandteil der digitalen Kommunikation. Print ist einfach ein Kanal unter vielen.

Das Bewusstsein ist da – handeln ist angesagt

Ich brauche neue Ansichten, Inspiration und eine Übersicht der Möglichkeiten. Was ist alles möglich – was kommt noch? Braucht es immer grosse Systeme, oder geht das auch anders?

Im Lehrgang geht es um Content First, Multi Channel Publishing, XML, HTML, CSS, WordPress, App-Erstellung, Datenbank-Publishing, Prozess-Automation, Print-Layout-Automation, Wissensmanagement, Design Thinking, Finanzen, Lean Management, Recht, Kanban und Marketing.

 

Es geht los!

Die Weiterbildung, die vom August 2017 bis im Frühling 2018 geht, bringt mir die nötige Motivation und Inspiration, mich auf Neues einzulassen und kennenzulernen.

Kaum hat 2018 angefangen, gilt es dann auch für das Zertifikat zu arbeiten. Dafür muss man folgendes tun:
Ein Projekt finden und auf die Beine stellen, welches aus einer Datenquelle drei Ausgabekanäle automatisch bespielen kann, die alle als Prototyp funktionieren müssen.
Die gesamte Arbeit soll schriftlich dokumentiert und am Schluss vor Publikum „dem Kunden“ präsentiert werden.

 

Das Projekt

Ich entscheide mich für ein privates Koch-Rezept-Projekt. Wir sind 13 Freunde die gerne kochen und essen. Regelmässig treffen wir uns bei einem Gastgeber, welcher den gesamten Einkauf, das Kochen und das Gastgeber-Dasein managed. Die Gäste müssen sich nur noch an den Tisch setzen und werden mit einem Mehrgänger oder einem Sommergrill beglückt. Und dann? Wird gegessen, genossen und wir haben einen schönen Abend.
Der Wunsch nach einer Rezept-Sammlung besteht schon länger. Ich schaue mir die Bedrüfnisse genauer an und mache mir die Rezepte als Quelle zunutze, um mich an diversen Kanälen und sicher einem Print-Kanal auszutoben.
Ein lang gehegtes Projekt umsetzen, andere daran teilhaben lassen und die Multi-Channel-Publishing Studie ist eröffnet!

Die Ausgabekanäle

Meine Quelle wird somit die Rezept-Datenbank. Der erste Ausgabekanal liegt auf der Hand: eine Website. Die Website ist die erste Anlaufstelle, wo Rezepte gefunden werden und auch erklärt wird, was wir machen. Die Rezepte sind öffentlich, so können auch andere Besucher von den Inhalten profitieren.

Schau hier vorbei: www.kulinarikum.ch

Wie wär’s mit einer App?

Der zweite sinnvolle Kanal ist eine PWA. Eine PWA (Progressive Web App) ist eigentlich eine Website, die Merkmale einer nativen App besitzt.
Progressive Web Apps können als Symbiose aus einer responsiven Website und einer «richtigen» App erklärt werden. Grundsätzlich handelt es dabei nicht um eine App im eigentlichen Sinne, sondern um eine modifizierte Webseite, die sich an das jeweilige Ausgabegerät oder den verwendeten Browser anpasst. Der Zugriff auf den Inhalt kann somit auch offline passieren. Ebenfalls können Push-Nachrichten versendet werden.

Ein spannendes Thema, wenn man bedenkt was PWAs für einen Einfluss auf den App-Store haben können.
Ob jetzt PWAs den AppStore verdrängen ist schwierig zu sagen. Aber sie werden bestimmt einige native Apps überflüssig machen.

Schonmal ab Browser gedruckt?

Wer schon Seiten ab Browser gedruckt hat weiss, was das für ein Papier-Desaster geben kann. 8 Seiten, um ein Rezept auszudrucken ist unnötig und nervt. Das Rezept so simpel wie möglich aus dem Drucker zu bekommen, erreicht man mit einem print.css.

Mit CSS lässt sich unter anderem das Layout für die Printer-Ausgabe anpassen. Man blendet unerwünschten Elemente aus oder fügt andere hinzu, sobald die Seite zum Drucker geschickt wird.

Somit wird das Ansteuern eines Printers, also ein direkter und optimierter Ausdruck ein weiterer Kanal.

 

Newsletter und Instagram

Social Media wird mit einem Newsletter einem Instagram Konto angesprochen. Der Newsletter wird regelmässig verschickt, sobald neue Rezepte erscheinen. Dies geschieht automatisch. Instagram wird von 3 Kulinarikum-Mitgliedern und mir gepflegt.

Herzensprojekt: das individuelle Kochbuch layoutet sich automatisch

Mein Ziel ist mit der vorhandenen Datenbank auch den Printkanal anzusprechen. Und zwar schwebt mir folgendes vor: Der Leser klickt sich seine Lieblingsrezepte zusammen, die Rezepte kommen in den Warenkorb, im Hintergrund wird automatisch das Buch generiert, welches an den Druckdienstleister weitergeleitet wird. So kann sich jeder Leser sein individuelles Kochbuch drucken lassen. Nach abschicken der Bestellung, kann sich der Leser nur noch zurücklehnen.

Es läuft – ein Prototyp

Meine Arbeit ist nun einen vernünftigen Workflow zu finden, die Rezepte aus WordPress zu exportieren und mit einem InDesign-Template das Buch zu automatisieren.

Die Rezepte können als XML-Datei exportiert werden, inklusive Bilder. Diese XML-Datei wir in InDesign importiert, das Buch erstellt sich mit den nötigen Seiten automatisch. Der Workflow ist rudimentär, aber funktioniert. Darauf kann gebaut werden.

Gedanken

Mir hat die Zeit der Projektarbeit sehr viel gebracht. Hunderte von Möglichkeiten gilt es abzuwägen undwie gross der Aufwand für Recherche sein kann, wird einem auch wieder einmal bewusst. Aber es ist unglaublich spannend.

Automatisieren bedeutet Standard: Aus gestalterischer Sicht finde ich ein Rezeptbuch, zu individuell, als dass es automatisiert werden sollte oder könnte.

Aber es könnte die fehleranfällige und unnötige copy/paste Arbeit ersetzen. Den individuellen Schliff für jede Seite und das hinzufügen von weiteren Bildern, kann zusätzlich vom Grafiker oder Layouter erfolgen.
Heisst also: automatisieren macht Sinn wenn ein Standard bedient werden kann. Individualität ist nur bedingt automatisierbar.

Die Branche ist unglaublich spannend und ich bin  froh, immer wieder den «Kick» zu finden, nach weiteren Möglichkeiten zu suchen. Nur so kann man offen für Neues bleiben.

 

2 Kommentare

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Cristina Oliveiraantworten
02. Sep 2019 um 21:55

Hallo Manuela. darf ich fragen wie deine Weiterbildung heisst und wo du es gemacht hast? So was interessiert mich auch!
Danke und Gruss. cristina oliveira

Manuelaantworten
06. Okt 2019 um 12:42

Liebe Cristina, wie bereits „in echt“ besprochen, hier noch vollständigkeitshalber der Link zum Lehrgang: https://www.vsd.ch/wissenshungrige/lernakademie-vsd/publisher-professional-technik/

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